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MAL REGIONAL, MAL GLOBAL REGIONALE PRODUKTE VERSUS ETHNO-FOOD – ZWEI TRENDS TREFFEN AUFEINANDER.

Wir Konsumenten sind ambivalent und wechseln je nach Lust und Laune zwischen traditioneller heimischer und internationaler Küche. Das eine schließt das andere nicht aus. Regionale, vertraute Produkte geben uns Sicherheit und sind ein wichtiger Aspekt der eigenen Identität. Gleichzeitig reizt aber das Unbekannte: neue Geschmäcker und Gerüche ziehen unsmagisch an und stillen ein wenig die Sehnsucht nach „mehr Welt“. Ethno-Food ist in vielen Fällen auch ein wandelbarer Begriff. Das zeigt am eindrücklichsten die Kartoffel, die im 16. Jahrhundert als exotisches Produkt aus Südamerika nach Europa kam. Heute ist der Erdapfel eines der bedeutendsten Grundnahrungsmittel in Österreich und niemand würde die Knolle als Ethno-Food bezeichnen.

Diese zwei Trends prägen aus Sicht der Trendforscherin Hanni Rützler derzeit die Kulinarik: Einerseits der Trend zum „Local Food“, andererseits der Gegentrend dazu in Richtung „Hybrid Food“. Letzterer wird als kulinarischer Ausdruck von Globalisierung, wo dem Mixen, Mischen und Kreuzen in den Rezepturen keine Grenzen gesetzt sind, charakterisiert.

WAS IST „REGIONAL“?


Die Antwort auf diese Frage und wie genau „Region“ dabei definiert ist, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Eine aktuelle Motivationsanalyse der AMA zeigt: 72 Prozent der Österreicher versteht unter Regionalität Produkte aus der unmittelbaren Umgebung. Für 59 Prozent bedeutet Regionalität das Bundesland, in dem sie leben. Für 38 Prozent sind auch Produkte aus einer bestimmten Region in Österreich regional. Lebensmittel aus Österreich ohne Regionsbezeichnung bezeichnet nur knapp ein Viertel als regional. Die wichtigsten Gründe für den Kauf von regionalen Produkten sind die Stärkung der heimischen Landwirtschaft und die kurzen Transportwege. Diese Attribute sind erstaunlicherweise sogar noch wichtiger als Frische und Qualität. Nur wenig Bedeutung haben Argumente wie Geschmack, Gesundheit oder Spezialitäten. Die Rohstoffe müssen innerhalb eines vernünftigen Umkreises angebaut werden. Die Verarbeitung muss ebenfalls innerhalb der Region liegen. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstitutes Whitebox wären rund 80 Prozent aller Österreicher bereit, für österreichische Produkte vom Bauernhof mehr zu bezahlen.
Das Einkaufen auf Märkten hat in Wien mit 20 Prozent Bedeutung einen rund dreimal so großen Stellenwert wie in Restösterreich. Dort steht wiederum die Direktvermarktung beim Bauern auf Grund der geografischen Nähe doppelt so stark im Fokus wie bei den Wienern. Top-Anbieter von regionalen Produkten sind,laut der AMA Motivationsanalyse, die Bauernmärkte deutlich vor der Ab-Hof Vermarktung. Auch die Fachgeschäfte spielen als Anbieter eine große Rolle. Rund 45 Prozent der Befragten finden, dass es in Supermärkten bereits ein großes Angebot gibt.

Regionale Lebensmittel sind vor allem deshalb ein Trend, weil sie unsere Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem Authentischen stillen. Um Lebensmittel einzukaufen, die in der eigenen Region angebaut und/ oder produziert werden, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Wer es ernst meint, wird für die Beschaffung mehr tun müssen, als nur in den Supermarkt zu
gehen. Sich mit guten, handwerklich hergestellten, regionalen und saisonalen Lebensmitteln zu versorgen, ist ein Prozess. Es gilt, ein Netzwerk aufzubauen, sich einer Foodcoop anzuschließen, die persönlichen Beschaffungswege zu planen, zu lagern und mit großer Wahrscheinlichkeit auch, die Kochgewohnheiten zu ändern. Informationen zu Foodcoops gibt es unter
service@umweltberatung.at.

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