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Bier - Obergärige Versuchungen

Biergeschäfte

Österreichs Bierszene hat sich in den letzten Jahren merklich verändert …

Seit Dutzende kleine Brauereien aufgesperrt haben, trauen sich die Brauer auch, Biere jenseits des Märzen-Angebots zu brauen. Gleich mehrere Gasthausbrauereien brauen ein Stoutbier (der Highlander und die 1516 Brewing Company haben ihre Interpretation dieses Stils ständig im Angebot), Pale Ales kamen zuerst vom Siebensternbräu (das sich allerdings inzwischen mehr auf Bockbiere und Rauchbiere spezialisiert hat), die Handbrauerei Forstner im steirischen Kalsdorf hat sich auf Biere im belgischen Stil spezialisiert, und das Brauhaus Gusswerk in Salzburg ist die weltweit erste Brauerei, die nach den strengen Demeter-Kriterien biodynamische Biere braut.

All diesen kleinen Brauereien ist gemeinsam, dass sie einen Gutteil ihres Erfolgs den obergärigen Bieren verdanken – also Suden, die mit speziellen Ale-Hefen warm vergoren werden und dabei besonders intensive Aromen entwickeln. Das ist nicht wirklich eine neue Erfindung: Tatsächlich waren früher alle Biere obergärig, die heute von den Großbrauereien angebotenen Lagerbiere sind in ihrer derzeitigen Qualität überhaupt erst eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die Wurzeln dieser Stile reichen meist nur ins 19. Jahrhundert zurück.

Anders bei den obergärigen Ales: Diese beherrschten die Bierwelt – wenn auch wohl mit deutlich unterschiedlichem Geschmack – lange vor der industriellen Herstellung von Lagerbieren. So feiert die Guinness-Brauerei in Dublin heuer ihr 250-jähriges Bestehen: Arthur Guinness gründete damals seine Brauerei am St.James’ Gate und braute unter anderem das damals moderne Porterbier, dessen kräftigere Version, das „Stout Porter“ zum Inbegriff des irischen Bierstils wurde – mit Guinness als bekanntester Referenz. Und der am Oberrhein etablierte Bierstil ist heute noch unter der Bezeichnung Alt geläufig.

Im süddeutschen Raum hat sich vor allem das Weizenbier als Vertreter der obergärigen Brauweise erhalten. Wobei man wissen muss: Porter war zeitweise – etwa in den 1980er Jahren – fast ausgestorben. Und nicht viel anders war es mit dem Weizenbier: Das war einmal so populär, dass man zur Schonung der Brotgetreidevorräte das Brauen von Weißbier einschränken musste (eines der Hauptmotive für das Bayerische Reinheitsgebot von 1516) – dann aber kamen Phasen, in denen kaum jemand das Weizenbier trinken wollte. Heute ist die Weisse, das Weißbier oder Weizenbier (die Begriffe sind Synomyme ohne wirkliche Unterscheidungskraft) allgegenwärtig – vom Sommergetränk ist die obergärige Spezialität zu einer das ganze Jahr über verfügbaren und auch im Winter gern getrunkenen Sorte geworden.       

Mehr Bierlokale und alles rund ums Bier trinken und die Brauereien gibts im Bierguide auf www.bier-guide.net

Conrad Seidl

Conrad Seidl, Bierpapst

Wer in Wien lebt, hat ganz gute Chancen, ein interessantes Bier kaufen zu können: Die Firma Ammersin betreibt ein recht gut sortiertes Geschäft, das Ammersino in der Speisinger Straße 31 im 13. Bezirk und neuerdings einen etwas näher zur Stadt gelegenen Laden in der Wiedner Hauptstraße 140 in 1050 Wien. Zudem gibt es in Aspern neuerdings die Biererei (Großenzersdorfer Straße 8, 1220 Wien). Noch speziellere Bierangebote – zuletzt etwa eine Auswahl aus schottischen Kleinstbrauereien – gibt es über das Biergasthaus Schiffner (Linzer Straße 9, 4160 Aigen im Mühlkreis, Tel.: 0 72 81/88 88, www.biergasthaus.at). Für einen Karton mit 16 Flaschen löhnt man zwar locker 60 Euro inklusive Versandkosten – aber die Biere sind bei kluger Auswahl jeden Cent wert. Hier kauft man dann eben nicht Weizenbier, sondern Pale Ales, Stouts, Porters und Barley Wines – also das Feinste aus der obergärigen Welt.

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