Am 9. Oktober feiert der Welt-Ei-Tag sein 30-jähriges Bestehen. Was 1996 auf Initiative des Österreichers Willi Kallhammer begann, wird heute in mehr als 140 Ländern begangen. Im Mittelpunkt steht ein Lebensmittel, das in Österreich seit Jahren an Beliebtheit gewinnt und nahezu täglich auf den Tellern landet.
Eier liefern hochwertiges Eiweiß und beinahe alle Vitamine, die der menschliche Körper benötigt. Besonders bemerkenswert ist ihre hohe biologische Wertigkeit: Das enthaltene Protein kann fast vollständig in körpereigenes Eiweiß umgewandelt werden. Damit sind Eier nicht nur vielseitig in der Küche, sondern auch bei ernährungsbewussten und sportlich aktiven Menschen besonders gefragt.
246 Eier pro Kopf und Jahr
Der steigende Stellenwert zeigt sich im Konsum. Während in Österreich 2015 durchschnittlich 236 Eier pro Person gegessen wurden, waren es 2025 bereits 246. Gleichzeitig ist der Selbstversorgungsgrad seit dem Ausstieg aus der Käfighaltung deutlich gestiegen: von 74 Prozent im Jahr 2009 auf aktuell knapp 90 Prozent. Um die wachsende Nachfrage auch künftig mit heimischer Ware decken zu können, investieren Österreichs Bäuerinnen und Bauern bis Ende 2027 rund 80 Millionen Euro in neue tierfreundliche Stallungen. „Mit diesem Wachstum können wir nicht nur den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel umfassend mit heimischen Eiern beliefern, sondern auch die Gastronomie“, erklärt Heinz Schlögl, Obmann-Stellvertreter der Geflügelwirtschaft Österreich.
Investitionen mit langfristigem Risiko
Der Bau eines modernen Legehennenstalls ist für landwirtschaftliche Betriebe eine Entscheidung mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Die Investitionen rechnen sich nur, wenn Handel, Gastronomie und Konsumentinnen und Konsumenten auch langfristig auf österreichische Eier setzen. „Neueinsteiger kalkulieren im Vertrauen darauf, dass auch zukünftig heimische Eier gekauft werden. Wir hoffen weiterhin auf das große Vertrauen in die österreichische Qualitätsproduktion und geben dafür ein Qualitätsversprechen ab“, so Schlögl. Eine starke heimische Produktion bedeutet neben regionaler Wertschöpfung auch eine höhere Versorgungssicherheit. Diese gewinnt angesichts internationaler Krisen, steigender Produktionskosten und klimatischer Veränderungen zunehmend an Bedeutung.
Importe setzen heimische Betriebe unter Druck
Nach Angaben der Geflügelwirtschaft Österreich werden täglich rund eine Million Eier nach Österreich importiert. Ein Teil davon stammt aus Ländern mit geringeren Tierwohl-, Umwelt- und Produktionsstandards. Niedrigere Kosten und weniger strenge Auflagen ermöglichen günstigere Preise und erhöhen den Wettbewerbsdruck auf österreichische Familienbetriebe. Besonders häufig gelangen importierte Eier über Gastronomie und Lebensmittelindustrie auf die Teller. Während im Handel die Herkunft auf der Schale erkennbar ist, bleibt sie bei verarbeiteten Produkten oder Speisen für Gäste oft schwer nachvollziehbar.
Zuletzt berichtete auch das Wiener Marktamt erneut über falsch deklarierte ukrainische Eier auf Wiener Märkten. Laut Branchenangaben stammt ein großer Teil der europäischen Eierimporte aus der Ukraine, wo Käfighaltung weiterhin weit verbreitet ist. Günther Wenninger, Vorstandsmitglied der Geflügelwirtschaft Österreich und Obmann der EZG-Frischei, warnt vor den Folgen: Wer Eier aus Produktionssystemen mit niedrigeren Standards kaufe, schwäche heimische Betriebe, die in Tierwohl, Umweltmaßnahmen und Lebensmittelsicherheit investieren.
Hitze erhöht die Produktionskosten
Auch der Klimawandel stellt die Eierwirtschaft vor neue Herausforderungen. Längere Hitze- und Dürreperioden belasten Tiere und Betriebe. Österreichische Geflügelhalter haben deshalb in moderne Lüftungsanlagen, Kühlsysteme und Sprühkühlungen investiert, um den Hennen auch an besonders heißen Tagen ein angenehmes Stallklima zu bieten. Gleichzeitig treiben Ernteausfälle die Futtermittelpreise nach oben. Dadurch steigen die Kosten der heimischen Eierproduktion zusätzlich. Stabile regionale Strukturen können helfen, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und Versorgungsengpässen sowie starken Preisschwankungen vorzubeugen.
Herkunft beim Einkauf erkennen
Wer beim Einkauf gezielt zu österreichischen Eiern greifen möchte, kann sich am rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel orientieren. Es steht für österreichische Herkunft, regelmäßige Kontrollen und festgelegte Produktionsstandards. Der Welt-Ei-Tag erinnert damit nicht nur an die ernährungsphysiologischen Qualitäten des Eis. Er macht auch sichtbar, wie eng bewusster Konsum, Tierwohl, regionale Landwirtschaft und Versorgungssicherheit miteinander verbunden sind.