Kleiner, süßer, teurer: Das bringt die Herbsternte auf den Teller

von Alexandra Otto 07/10/2026
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Kleiner, süßer, teurer: Das bringt die Herbsternte auf den Teller

Der heißeste Sommer der Messgeschichte hinterlässt deutliche Spuren auf Österreichs Feldern und in den Obstgärten, denn die heimische Obsternte fällt heuer rund ein Drittel kleiner aus, bei Erdäpfeln melden manche Betriebe sogar Ausfälle von bis zu 70 Prozent. Äpfel, Birnen und Knollen sind vielerorts ebenfalls kleiner als gewohnt. Die gute Nachricht: Sonne und Trockenheit haben ihren Geschmack besonders intensiv werden lassen.

Der Online-Supermarkt Gurkerl hat bei seinen landwirtschaftlichen Partnerbetrieben nachgefragt und die Verkaufsdaten für den Großraum Wien ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, welche Produkte knapper und teurer werden und worauf Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkauf achten sollten.

Äpfel: kleiner, süßer und rund 15 Prozent teurer

In der Steiermark, Österreichs größtem Apfelanbaugebiet, dürfte die Ernte rund 35 Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr. In Teilen Ober- und Niederösterreichs werden sogar Einbußen von bis zu 70 Prozent erwartet. Hannelore Habeler von Habeler Sonnenobst im burgenländischen Wiesen brachte sechs Wochen lang Wasser mit dem Traktor zu jedem einzelnen Baum. „Die Bäume standen heuer unter Stress. Da geht es ums Überleben, nicht ums Fruchten. Äpfel und Birnen sind deshalb kleiner, dafür aber extrem süß.“

Bei Gurkerl kosten Äpfel derzeit rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem stammen zwei von drei verkauften Äpfeln aus Österreich, obwohl heimische Ware etwa zehn Prozent teurer ist als importierte. Kleinere Früchte erfüllen häufig nicht die üblichen Größenvorgaben des Handels. Ein Blick in Hofläden und regionale Online-Sortimente lohnt sich daher besonders. 

Birnen werden zum Preistreiber

Auch Birnen sind aufgrund der Trockenheit kleiner geblieben, überzeugen aber mit hoher Süße. Bei Gurkerl liegen die Preise rund 32 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ein Grund dafür sind die zusätzlichen Kosten für die Bewässerung. Die Nachfrage bleibt dennoch hoch. Birnen werden pro Bestellung um elf Prozent häufiger gekauft als im Vorjahr. Harte Früchte können bei Zimmertemperatur nachreifen, reife Birnen sollten kühl gelagert werden.

Zwetschken: weniger Ertrag, viel Aroma

Bei Zwetschken fiel das Ernteminus geringer aus als bei Äpfeln und Birnen. Die letzten heimischen Früchte sind voraussichtlich bis Ende Oktober erhältlich. Der Kilopreis liegt bei Gurkerl rund zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Zwetschken eignen sich besonders gut zum Backen, da sie ihre Form besser behalten als viele Pflaumensorten und sich der Kern leichter vom Fruchtfleisch löst. Damit bleiben sie die erste Wahl für Zwetschkenfleck und Röster.

Kürbis: Bewässerung entscheidet über die Ernte

Beim Kürbis zeigt sich besonders deutlich, wie entscheidend der Zugang zu Wasser geworden ist. „Auf Feldern, die bewässert werden konnten, sind Ertrag und Fruchtgröße normal ausgefallen. Auf nicht bewässerten Feldern sind die Früchte deutlich kleiner geblieben, und es gibt weniger Früchte pro Pflanze“, erklärt Carina Gschaider vom Hof Franzlbauer in Niederösterreich. Kürbis kostet bei Gurkerl derzeit rund 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Wegen der kleineren Erntemenge dürfte heimische Ware heuer nur bis etwa Mitte Dezember verfügbar sein. Praktisch für die Küche: Hokkaido muss nicht geschält werden, da seine Schale beim Garen weich wird.

Erdäpfel: regional nur ein Drittel der üblichen Menge

Besonders schwierig ist die Situation bei Erdäpfeln. Manuel Breitseher vom Bauernhof Breitseher im Weinviertel erntet heuer nur rund ein Drittel der normalen Menge. Temperaturen über 30 Grad setzen den Pflanzen stark zu. Auf seinen hügeligen Flächen ist eine Bewässerung kaum möglich, gleichzeitig verursacht der Drahtwurm weitere Ausfälle. Geschmacklich hat die Trockenheit jedoch einen positiven Nebeneffekt: Die Erdäpfel sind um einiges kleiner, schmecken aber sehr gut. Weil sie langsamer gewachsen sind, lagern sie weniger Wasser ein und haben konzentriertere Inhaltsstoffe. Bislang kosten Erdäpfel bei Gurkerl rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Da auch in anderen Teilen Österreichs und Mitteleuropas weniger geerntet wurde, könnten die Preise in den kommenden Monaten weiter steigen. Importware dürfte früher als üblich in die Regale kommen.

Zwiebeln: intensiver Geschmack trotz kleinerer Knollen

Auch Zwiebeln sind heuer überwiegend klein bis mittelgroß, dafür schmecken sie intensiver. Österreichische Ware ist wegen der schwachen Ernten in vielen europäischen Ländern auch im Ausland gefragt. Bei Gurkerl sind Zwiebeln dennoch rund sechs Prozent günstiger als im Vorjahr. Gut gelagert bleiben sie bis ins Frühjahr verfügbar. Treibt eine Zwiebel aus, muss sie übrigens nicht entsorgt werden: Das grüne Zwiebelkraut ist essbar.

Das kaufen Wienerinnen und Wiener am häufigsten

Zu den meistgekauften Herbstklassikern bei Gurkerl zählen derzeit Bio-Gala-Äpfel, gelbe Zwiebeln und Erdäpfel, Zwetschken sowie Bio-Hokkaido-Kürbis. Damit Obst und Gemüse möglichst lange frisch bleiben, empfehlen die Betriebe eine passende Lagerung. Äpfel und Birnen sollten kühl und trocken aufbewahrt werden, wobei Äpfel wegen des Reifegases Ethylen getrennt von anderem Obst lagern sollten. Erdäpfel mögen es dunkel, kühl und luftig, Zwiebeln werden am besten offen oder in einem Netz aufbewahrt. Ganze Kürbisse halten bei Zimmertemperatur etwa zwei Wochen.

Erdäpfel, Zwiebeln, Kürbisse und Zwetschken stammten bei Gurkerl im September ausschließlich aus Österreich. Weitere Informationen zur regionalen Herbsternte gibt es unter gurkerl.at.